Von der Sonne geweckt und frisch gestärkt, machen wir uns heute auf den Weg nach Hrafntinnusker. Gleich zu Beginn geht es einen kleinen Hang hinauf, noch eine ganze Weile bleibt der Álftavatn sichtbar, wenn wir uns umdrehen, dann schließlich verschwindet er hinter dem Horizont.

Dann gilt es einen längeren und etwas steileren Anstieg zu bewältigen. Keuchend arbeiten wir uns hoch. Immer mal wieder legen wir Pausen ein, genießen die Aussicht und gehen dann aber schnell weiter – der kalte Wind sorgt dafür, dass man nicht lang an einer Stelle verharren mag. Bald sind wir so hoch, dass wir den Álftavatn wieder sehen können.

Was für ein spektakulärer Landschaftswechsel!

? Hrafntinnusker: Aquarellstifte auf DIN A 4 Aquarellpapier

Keinerlei Vegetation mehr, dafür blubbernde Wasserbecken, weiße Rauschsäulen aus dem Boden, Schneefelder, Dampfschwaden und Schwefelgeruch.

„Eingänge zur Hölle?“, scherzt Steffen, in der Annahme der schwerste Teil der Strecke läge nach dem anstrengenden Aufstieg hinter uns. Aber weit gefehlt.

Wir gehen weiter, durch die Natur, die auch ein abstraktes Gemälde sein könnte, so unwirklich ist die Aussicht.

Auf und ab…. auf und ab …… auf und ab…..aber wie schön!!!

360° atemberaubendes Panorama!!

Wir wandern durch die hügeligen Schneefelder, ein auszehrendes Auf- und Ab. Steffen ist für heute schon so bedient, dass er nur noch stur geradeaus trottet. Er beißt die Zähne zusammen und versucht nicht daran zu denken, dass er sich jetzt auch, mit Gitarre und Schirmchengetränk in unserer Gartenschaukel, die Sonne auf den Pelz brennen lassen könnte. Ich hingegen spüre zwar die Anstrengung, bin aber erfüllt von Glücksgefühlen. Überall um uns herum nichts als rötlich gelbe Berge, Schnee, schwarze Asche, aufsteigende „Höllendämpfe“. Eine unwirkliche und ursprüngliche Landschaft.

In Island malt die Natur ihre eigenen Bilder und romantisch ist sie dabei auch noch 🙂

Wir kommen immer höher, es wird immer kälter und der Wind schneidender. Aber es ist nicht mehr weit und ich bin sehr gespannt auf den Campingplatz in Hrafntinnusker.

Unser Zeltplatz taucht plötzlich in der Ferne auf, das Ende ist nun absehbar. Wir kommen an zwei Mahnmalen vorbei, die davon künden, dass hier Wanderer von Stürmen überrascht wurden, sich verliefen und ihr Ende fanden. Einer nicht einmal 2 km vom schützenden Camp entfernt. Zwei Schafe treffen wir noch auf dem Weg und fragen uns, was die hier oben wohl wollen? Abgesandte Lucifers? Wölfe im Schafspelz? Steffen findet allmählich zu alter Form zurück und kann schon wieder rumblödeln. 🙂

Hier oben, auf über 1100 Höhenmetern ist es unwirtlich, rau, lebensfeindlich. Die Zeltparzellen sind von knapp ein Meter hohen Steinwällen umschlossen, das Wetter kann hier schnell umschlagen, auch im Sommer gibt es Schneestürme. Annehmlichkeiten, wie Strom oder Waschmöglichkeiten gibt es hier auch gegen Bezahlung nicht mehr. Das Trinkwasser ist stark rationiert, jeder ist angehalten darauf zu achten sparsam mit den wenigen, hier verfügbaren Ressourcen umzugehen.

Um die 0° Grad sind es am Abend, schnell verkriechen wir uns ins Zelt, in unsere dicken Schlafsäcke, die heute auch bis zur Nase zugezogen werden. Noch ein Blick auf die surreal anmutende Gegend um uns herum und wir schlafen ein.