Tag 4: Berchtesgaden - Carl-von-Stahlhaus (6.15 Std. ↑ 1300 ↓ 140)

Um 6.30 wache ich mit Muskelkater auf und fühle mich so gar nicht ausgeruht. Die Zehen schmerzen noch immer. Die Vorstellung, gleich wieder in meine Wanderschuhe zu steigen ist deshalb nicht besonders angenehm. Ich frühstücke ausgiebig auf dem Balkon meines Gästezimmers, mit Blick auf den Watzmann. Langsam bessert sich meine Stimmung.

Eine Stunde später bin ich wieder auf dem Weg. Entlang der Königsseer Ache geht es ganz entspannt bis Schönau am Königssee.

Schönau ist touristisch voll erschlossen und deshalb ist hier bereits am früher Morgen voll Betrieb. Ganz schön hektisch kommt mir alles vor, ich gehe schnell weiter.

Ich ahne es noch nicht, aber schon bald wird mir eines dieser Boote eine sehr große Hilfe sein!

Bald gelange ich zum Malerwinkel, einem berühmten Aussichtspunkt am nördlichen Ufer des Königssees. Richtig genießen kann ich den tollen Blick aber nicht, meine Füße schmerzen nun wieder ziemlich. Ich versuche das zu ignorieren, „wird schon wieder werden“, sage ich mir.

Etwas Schonung täte aber gut, ich entscheide spontan den heutigen Weg etwas zu verkürzen und nehme die Jenner Bergseilbahn. Ich fahre damit bis zur Endstation Jenner, hier vorbei am „Königsseer Water“. Ein bisschen schäme ich mich fast schon, am vierten Tag, einzuknicken. Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht und morgen liegt eine anstrengende und lange Etappe vor mir. 

Nach der Bergstation ist es nicht mehr weit bis zum Stahlhaus. Etwa eine Stunde geht es noch über nicht allzu schweres Terrain. Gern würde ich diese Stunde genießen, aber zu meinem „Glück“ bekomme ich jetzt auch noch eine fette Blase auf der Ferse.

Bald ist der Schneibstein (2276m) in Sicht. Morgen soll’s für mich da hoch gehen – ich bin schon ziemlich aufgeregt! 

Dann bin ich da, an der Carl-von-Stahlhaus-Hütte! Mann, bin ich froh! „Schnell, Schuhe ausziehen“, ist mein einziger Gedanke.

An diesem Nachmittag lerne ich Detlef kennen, der auch alleine nach Triest läuft. So kommen wir ins Gespräch. Später geht ein heftiges Gewitter über die Hütte und jagt mir einen ganz schönen Schrecken ein. Die Vorstellung bei so einem Unwetter nicht in einer warmen Hütte zu sitzen, sondern draußen in den Bergen rumzulaufen, ängstigt mich. Natürlich hab ich mich zu Hause belesen und weiß, theoretisch, wie man sich bei einem Gewitter in den Bergen verhalten sollte, in der Praxis erleben will ich es aber trotzdem nicht. Schon gar nicht mit meinen schmerzenden Zehen, die mich auf die Seilbahn haben ausweichen lassen. Zu diesen Gedanken mischt sich nun auch noch eine leise Sehnsucht nach meinem Freund, gern würde ich mich jetzt in den Arm nehmen und mir Mut zusprechen lassen. Ob ich die ganze Nummer vielleicht doch etwas auf die leichte Schulter genommen habe?

Ich tröste mich mit einer mir unbekannten Kaspressknödelsuppe, die ich später noch öfters zu mir nehmen werde, weil sie mir so gut schmeckt und hintendran natürlich Kaiserschmarrn. Detlef und ich sitzen mit einigen anderen Wanderern zusammen, wir essen gemeinsam, quatschen und spielen Karten. Das Gewitter ist vorbei und mit ihm sind auch meine Bedenken verflogen. Detlef und ich sind uns sympathisch und so vereinbaren wir morgen zusammen weiter zu gehen, was mich neuen Mut schöpfen lässt.