Corona Corona Corona! Ich kann es nicht mehr hören und möchte nur noch flüchten. Warum auch nicht – wandern ist ja nicht verboten. Allerdings könnte es schwierig mit einer Unterkunft werden, aber mal sehen, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich entscheide mich für den Rothaarsteig und finde eine Unterkunft in Winterberg. Normalerweise würde ich bei Etappenwanderungen jeweils am Zielort eine Unterkunft buchen, da es aber im  Moment eigentlich noch gar nicht erlaubt ist beschränke ich mich auf eine Bleibe und nutze die Busverbindungen, um an die Startpunkte der Etappen zu gelangen.

Vom Winterberger Bahnhof nehme ich den Bus S40 Richtung Niedersfeld Steinkampf, steige dort um in den Bus S30 bis Brilon Stadt. In einer Stunde erreiche ich den Startpunkt der ersten und langen Etappe (24 km) und lege direkt los.

Lust auf eine Kneipp- Anwendung? Oh nein, heute lieber nicht. Es ist ganz schön mieses Wetter gerade, kalt und windig und dazu nieselt es auch noch. Für mich jedenfalls erfrischend genug heute 🙂

Es dauert nicht lange bis ich die Stadt hinter mir lasse und in den Briloner Bürgerwald reingehe. Über Treppen und kurze Anstiege geht es langsam hoch.

An dieser Stelle (ich komme von rechts unten im linken Bild ) bin ich kurz unaufmerksam und übersehe die Markierung und dass ich hier die Treppen hoch gehen soll. Stattdessen laufe ich weiter geradeaus, verführt von den roten Balken und dem dreigeteilten Weg auf dem rechten Bild. Zum Glück merke ich schnell, dass ich falsch laufe, ärgere mich kurz und drehe um. Schon komisch, mindestens einmal muss ich mich immer mal verlaufen, egal wie gut oder schlecht der Wanderweg markiert ist. Geht es nur mir so? 🙂

Zwischendurch mal ein Foto von einem hübsch blühenden Baum.

An diesem Platz (li. Bild) erblicke ich in meine Gehrichtung ein großes Kunstwerk aus riesigen Baumstämmen. Es handelt sich dabei um „Kyrill-Tor“, ein Mahnmal, das an den Kyrill Orkan erinnern soll, der im Jahr 2007 über 1000 ha des Brilloner Stadtwaldes zerstört hat.

Das „Kyrill-Tor“ besteht aus 14 massiven, jeweils 20 m langen und 1,5 Tonnen schweren Fichtenstämmen aus dem Brilloner Stadtwald. Wenn ich hier so dadrunter stehe, sehe ich ein abstraktes Bild vor mir…

? Kyrill-Tor von unten Acryl 60x40

Ein kleines Moor und dadrüber tief hängende Äste eines Baums – hübsch! Wasser gibt es in der Tat, zumindest auf den ersten 3 Etappen, so gut wie gar nicht auf dem Rothaarsteig. Keine Seen, keinen Fluss, dafür aber ganz viel Wald.

Die Kuh auf dem linken Bild versteckt sich vom Regen und mittlerweile noch dazugekommenen Hagel. Ich bleibe tapfer und versteck mich nur unter meiner Kapuze. Und apropos viel Wald, wie man auf dem rechten Bild gut sehen kann wird er auch viel genutzt. Schön sieht es nicht aus!

Aaahhhh! Viel besser! Ich liebe solche schmalen Pfade, die sich winden und dann im Grünen oder hinter einem Berg verschwinden.

Noch mehr Wald und seine Pflanzenvielfalt.

Bis jetzt auf jedenfall eine sehr waldreiche Strecke mit wenig Weitblick. Ich hab schon fast angefangen mich zu langweilen und dieses graue kalte und nasse Wetter trägt auch nicht unbedingt zur guten Laune bei.

Ich freue mich fast ein bisschen über diese umgefallenen Bäume. Ich könnte sie zwar umgehen, aber ich habe Lust, mal zur Abwechslung, über sie drüber zu klettern 🙂

Auf dem Ginsterkopf (661 Hm) mit dem Blick zu den Bruchhauser Steinen. Ein schöner Platz für eine kurze Pause.

Am liebsten wäre ich hier länger geblieben, aber es ist soooo kalt. Ich muss weiter.

Oh, was ist das denn cooles, frage ich mich. Ich muss dazu sagen, dass ich mich vor einer Tour nicht sehr genau informiere, was ich auf dem Weg alles zu sehen bekomme. Ich lasse mich lieber überraschen und lese entweder später nach oder es gibt vor Ort auch Tafeln mit Beschreibungen und Erklärungen, wie hier z. B. auch.

Es ist ein Kunstwerk mit dem Namen „Feuereiche“, ein von unten bis oben mit Schnitzereien verzierter, 11 Meter langer Eichenstamm mit den metallisch bunten Titanblech – Flammen an der Spitze. Es wurde zum Thema „Im Wald wächst Wärme“ erschaffen, um die Bedeutung von Holz als Energieträger darzustellen, z. B. die negative und positive Nutzung von Holz und Feuer.

Vorbei an Bruchhauser Steine, die man, wenn man möchte, auch besteigen kann, befinde ich mich jetzt im Ort Bruchhausen. Falls man nicht weiter gehen möchte oder kann könnte man hier die erste Etappe beenden.

Ich will und kann noch und gehe deshalb weiter und freue mich, dass das Wetter endlich etwas Erbarmen mit mir hat und es sogar hin und wieder blauer Himmel zu sehen ist. Die Kühe finden es offensichtlich auch schöner so 🙂

Ich bin nicht mehr weit von meinem heutigen Etappenziel, ich steuere noch Richtung Richtplatz, von wo es dann über den Zustiegweg runter nach Willingen geht.

Tja, so wäre das, wenn ich nicht schon wieder die Markierung übersehen hätte 🙂

Und so gelange ich, ungeplant, auf dem Langenberg, dem größten Berg in NRW, der ja eigentlich erst morgen auf dem Plan steht. Ein Gipfel ohne Ausblick und Weitblick, ich muss schon zugeben, ich war ein wenig traurig. Aber so ist das halt manchmal.

Meine erste Etappe ist ungewollt länger geworden und das merke ich jetzt auch ganz schön. Erschöpft suche ich mir mit Hilfe von GPS den kürzesten Weg ins Tal. Am Willinger Bahnhof nehme ich den Bus R48 Richtung Düdinghausen Kirche, steige dort um in einen anderen Bus, der aber die gleiche Nummer R48 hat und fahre bis Winterberg. Im Bus träume ich 50 Minuten lang von einer warmen Dusche und leckerem Essen 🙂