Etwas zerknittert, besteigen wir am frühen Morgen den Bus Richtung Vik. 6 Stunden Fahrt auf der Ringstrasse, immer an der Küste lang, rechts der raue Nordatlantik, links die Ausläufer, der in der Ferne schon zu erahnenden, Vulkanberge und Gletscher. Davor etwas Grün, Schafe und Häuser. Aus den Lautsprechern läuft eine Art akustischer Reiseführer auf Englisch. Hin und wieder hält der Bus an und wir sehen uns die ersten Sehenswürdigkeiten an, wie…

Seljalandfoss – ein 66 m hoher Wasserfall, der zwar nicht mit seiner Größe punktet, aber damit, dass man hinter dem Wasserfall durchgehen und durch die Wasserstrahlen in die Weite gucken kann. Außerdem, zaubert der Wasserfall immer wieder einen wunderschönen Regenbogen um sich herum – wir hatten allerdings keinen Glück.

Auch Skógafoss ist ein eindrucksvoller Wasserfall, an dem wir halten. Er ist 60 m hoch und 25 m breit. Ich möchte ganz nah rangehen, ziehe meine Regensachen an und wow! Ich fühl mich ganz schön mickrig davor. Heute verbringen wir noch unsere erste Nacht hier. Aber erstmal geht es weiter Richtung Vík.

? Dyrholaey: Aquarellstifte auf DIN A 4 Aquarellpapier

Etwa 6 km vor Vík mache ich aus dem Bus das Foto von dem Felsentor, das die Spitze des Caps auf Dyrhólaey bildet.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Vík í Mýrdal, die südlichste Spitze Islands. Der kleine Ort liegt direkt am Meer, hat keinen Hafen, dafür aber einen der spektakulärsten Strände der Welt und liegt gefährlich nah am Vulkan Katla, der unter dem Myrdalsjökull schlummert.

Ein kalter Wind bläst über den pechschwarzen Strand, der wilde, graue Atlantik lässt keine Zweifel aufkommen, dass die aufgestellten Warnschilder „nicht zu nah ans Wasser, Lebensgefahr!“ ernstzunehmen sind.

Beim Strandspaziergang entdecken wir einen Wanderweg auf den Reynisfjall, eine höhere Erhebung am Ortsrand.

? Reynisdrangar: Aquarellstifte auf DIN A 4 Aquarellpapier

Reynisdrangar – Lavasäulen, die aus dem Wasser ragen. Nach einer isländischen Legende sollen es drei Trolle gewesen sein, die ein Schiff ans Land bringen wollten und dabei versteinert worden seien.

dicke Rucksäcke
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Im Sand und dann den Berg hoch – für uns ist es die erste kleine Kraftprobe. Mit unseren schweren Rucksäcken (Steffen knapp 19kg, ich 16kg) ist es nicht ganz ohne, dafür aber nicht weit.

Wir haben es schon gelesen: Das Wetter in Island ist unberechenbar und das merken wir jetzt auch – dunkle Wolken, Regen und strahlender Sonnenschein wechseln sich, fast minütlich, ab.

Oben angekommen, trifft uns der Wind, plötzlich wie ein Schlag. Die traumhafte Aussicht müssen wir fast im Liegen genießen, so stark sind die Böen.

Und ganz unerwartet tauchen sie vor uns auf: Papageientaucher, die augenscheinlich hier am Hang nisten und in den starken Aufwinden wunderbare Manöver fliegen und regelrechte Kapriolen schlagen.

Noch im Trockenen gehen wir den gleichen Weg wieder runter und genießen die Aussicht auf Vík und seinen schwarzen Lavastrand von oben.

Bevor wir uns einen Tee zum Aufwärmen kochen, kraxeln und ballancieren wir auf den Steinen rum – ist nicht so leicht wie es aussieht 🙂

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Steffen grübelt schwer über etwas nach, während er uns Tee kocht. Starker Wind erschwert die ganze Angelegenheit und dann beginnt es doch noch richtig an zu regnen. Wir gehen also lieber in ein Bistro rein. Ganz gemütlich und warm ist es da, wir bestellen Kaffee und Kuchen, schreiben Postkarten, lesen und quatschen über das, was wir heute gesehen und erlebt haben und was uns alles noch bevorsteht.

Zurück am Skógafoss stellen wir unser Zelt auf und nach dem Essen machen wir noch einen Spaziergang. Rechts am Wasserfall gehen wir hoch, oben angekommen erschließt sich uns ein wunderbarer Blick auf den Fluss Skógá und zur anderen Seite der große Zeltplatz, der am Atlantik grenzt.

? Skógafoss: Aquarellstifte auf DIN A 4 Aquarellpapier