Heute die 3. und letzte Etappe für mich, die aber was in sich hat. Sie ist lang (29 km) und sehr spannend. Der Startpunkt ist Winterberg, heute also lege ich direkt los, ohne vorher irgendwohin fahren zu müssen.

Winterberg ist ein Paradies für Wintersportler, hier gehe ich vorbei an der St. Georg Sprungschanze. Sommrrodelbahnen gibt es hier auch, allerdings allesamt geschlossen. Es sind halt gerade schwierige Zeiten für Spaßunternehmen.

Umso mehr freue ich mich, dass ich trotz dieser schwierigen Zeiten Spaß haben kann indem ich einfach wandern gehe.

Aus der Stadt raus, geht es direkt los mit einem kurzen, aber steilen und verwurzeltem Anstieg in einen Wald hinein.

Hier über eine kleine Holzbrücke auf die andere Seite

Vorbei am Halbstundenkreuz geht es nach Markierungen und Wegweisern auf dem Rothaarsteig weiter.

Am Wegrand, versteckt im Wald liegt ein Blutstein. Ich bin neugierig, weil ich den Begriff als solches nicht kenne und mir sonst was denke, warum dieser Stein Blutstein heißt, also biege ich kurz ab, um nachzusehen. Das ist er – ein Stein 🙂 Der Blutstein ist der älteste bekannte Mark- und Grenzstein im Stadtbereich Winterberg. Na gut – immerhin was gelernt.

Ab dem Blutstein geht es kurz steil hinauf und schon bald stehe ich auf dem berühmtesten Berg im Rothaargebirge, der Kahle Asten (842m)

Bald lerne ich warum die Bäume hier so verkrüppelt aussehen.

Vorher aber die Landschaft, den Ausblick, die Sonne und den Himmel genießen.

Wie schön!

Hier auch, einfach ein cooles Bild.

Also zu den verkrüppelten Bäumen nochmal, folgendes lese ich auf einem Erklärungsschild. Das Astenklima mit seinen extremen Temperaturen, Windstärken und Niederschlägen – insbesondere Schnee – beeinflussen die Natur auf dem Kahlen Asten. Eine der höchstgelegenen Quellen deutscher Mittelgebirge ist insbesondere die Folge hoher Niederschläge. Der verkrüppelte Bergwald wird besonders geprägt durch die Wachstumsgrenze der Rotbuche auf der Nordseite des Berges. Eine Wuchshöhe von 8 Metern wird kaum mehr überschritten. Stämme und Äste verkrüppeln zu Gebilden, die zu allerlei Fantasie Anlass geben, insbesondere im Winter.

Sehr spannend und es gibt noch viel mehr von solchen „Lehr-Stationen“, die kurz und knapp über die Besonderheiten des Berges aufklären.

Auch eine eigene Wetterstation besitzt der Berg, aber vorsicht, diese wird bewacht von diesem sehr aufmerksamen Holzsteinbock 🙂

Das ist die Lenne Quelle, die höchstgelegene Quelle in NRW (823m)

Danach gibt es wieder schöne Weit- und Panoramablicke…

grasende Kühe auf der Weide…

…und große weite Wiesen voll mit Pusteblumen und Gänseblümchen. Ein Augenschmaus 🙂

Hier gibt es was für die Füße. Ich ziehe meine Wanderschuhe aus und gehe einen kleinen Teil vom Barfußpfad im Ort Langewiese. Es tut sooo gut!

Langewiese, ein wirklich traumhaftes Plätzchen, stelle es mir im Winter hier auch toll vor.

Hier geht es einmal runter, um…

… im Wald wieder hochzugehen. Aber nicht lange. Schon bald habe ich wieder freie Sicht. Die heutige Etappe macht mir richtig Spaß, so informativ, abwechslungsreich und kurzweilig, ganz nach meinem Geschmack.

Ein Foto gefälligst? Ich treffe so wenig Menschen auf dem Weg und auch jetzt ist keiner da, den ich fragen kann, der mich in diesem Fotorahmen fotografieren könnte. Dann halt nur so 🙂

An dieser Stelle muss man eine Entscheidung treffen, denn bald nach dem Heidenstock unterteilt sich der Rothaarsteig in zwei Wege: die Berg- oder Talvariante. Ich entscheide mich für die Bergvariante, weil ich die Hängebrücke sehen möchte, die noch kommt.

Eigentlich ist das Ziel dieser Etappe Jagdhaus oder Schanze. Da ich wieder zurück nach Winterberg muss habe ich mich für Bad Berleburg entschieden, weil ich von hier aus eine schnelle und gute Busverbindung habe.

Und darum weiche ich vom Rothaarsteig auf den Skulpturenwanderweg ab und folge nun der oberen Markierung bis Bad Berleburg.

Die erste Skulptur lässt nicht lange auf sich warten. „Die fast vier Meter hohe und knapp 64 t schwere Stahlskulptur „Kein leichtes Spiel“ von Ansgar Nierhoff steht auf dem Rothaarkamm als überraschendes Zeichen mitten im Wald für den Konflikt zwischen den über Jahrhunderte territorial, sprachlich, kulturell und konfessionell getrennten Regionen Sauerland und Wittgenstein. Eine massive Stahlwand ist in ein großes zentrales Tor, zwei kleinere Tore und zwei Blöcke aufgelöst worden. Der Betrachter kann sehen: alle Teile passen ineinander, schaffen ein Drinnen und Draußen und fordern zum Begehen auf. Der Dialog zwischen den Einzelformen der Skulptur wird durch den Dialog mit dem sie umgebenden Raum, der Natur, vervielfacht. Dieser Kontrast ermöglicht Entdeckungen, Vergleiche und Erinnerungen, für jeden Besucher verschieden. Der so bezeichnete Ort, unweit einer Wegekreuzung an alten Grenzen, lässt Wanderer an der Gemeinsamkeit der ehemals entzweiten Regionen und der Überwindung von Grenzen teilhaben.“ (https://www.waldskulpturenweg.de/skulpturen/kein-leichtes-spiel)

Zweite Skulptur auf meinem spannenden Weg. „Fast wie ein archaischer Tempel wirkt die im Jahr 2001 geschaffene Skulptur „Stein-Zeit-Mensch“ des Künstlers Nils-Udo: Mitten im Wald bei Kühhude liegt ein riesiger Felsquader, der von einer monumentalen Baumstammarchitektur umrahmt wird. Der Quarzit-Monolith bringt nahezu 150 t auf die Waage und bildet eingebunden in die stille Erhabenheit des Waldes ein Denk- und Mahnmal seiner selbst: seiner Größe, seiner zeitlosen Erdverbundenheit und seiner Einmaligkeit. Dieser mächtigen Einheit ausgesetzt, erfährt der Wanderer seine eigene Zeitlichkeit und Verletzlichkeit. Die Baumstammarchitektur ist 2014 erneuert worden. Die mächtigen Weißtannenstämme (Länge: 12 m, Breite: 8,70 m, Höhe: 4,70 m) mit einem Durchmesser von ca. 90 – 100 cm aus dem Südschwarzwald mussten aus Sicherheitsgründen ersetzt werden, da sie durch Baumpilze bis in ihren Kern hinein durch Fäule zersetzt waren.“(https://www.waldskulpturenweg.de/skulpturen/stein-zeit-mensch)

Bevor ich weiter gehe mache ich noch einen Abstecher zur Hängebrücke, dafür muss ich nochmal auf den Rothaarsteig, es  ist nur ein kurzer Umweg.

Ja, sieht nicht schlecht aus, aber für einen Adrenalinkick bräuchte ich schon etwas mehr 🙂

Zurück auf den Skulpturenwanderweg und zur nächsten Skulptur, die man aber leider nicht sehen kann. „Nur aus der Vogelperspektive kann man das 44 x 28 m messende „Monument
des verschollenen Falken“ vollständig erkennen. Aus Erdwällen hat der New Yorker Künstler Alan Sonfist den Schattenriss eines schwebenden Falken auf einer Waldlichtung im Wittgensteiner Forst modellieren lassen. Die Erdwälle erinnern an die Verteidigungshügel keltischer Fortifikationen der unmittelbaren Umgebung und wurden mit Baumarten bepflanzt, die früher den Wald in der Region dominierten, aber durch den Menschen verdrängt worden sind. Mit der dem Schattenriss folgenden Einzäunung schützt Sonfist seine Arbeit sinnbildlich vor Mensch und Tier, die durch Willkür bzw. Verbiss die Ursprünglichkeit der Natur oftmals unwiederbringlich verloren gehen lassen.“ (https://www.waldskulpturenweg.de/skulpturen/der-falke)

Schon von weitem sieht man dieses helle Grün leuchten. „„Die Grünstation“ ist ein leuchtend grünes, in seiner Architektur sehr reduziertes Haus, das vollständig mit dem es umgebenden Biotop verwachsen ist. Konzipiert wurde die Plastik von der Künstlerin Gloria Friedmann, die die Natur und das Verhältnis des Menschen zur Natur zum Thema ihrer Arbeit gemacht hat. Durch das wirre Grün der Büsche wirkt das dreiseitig geschlossene kleine Haus aus der Ferne als monochromes Zeichen, als Plastik wenn man sich nähert, und als Herberge zur Rast, wenn man davorsteht. Die rustikale und einfache Einrichtung vertieft diesen Eindruck. Als Unterstand bei Gewitter empfiehlt sich die Grünstation jedoch nicht“ (https://www.waldskulpturenweg.de/skulpturen/die-gruenstation)

Hmmm, ein Mammutbaby? Hat jemand vielleicht andere Vermutungen? 🙂

Ach du dickes Ei! Meine absolute Lieblingsskulptur und auf jedenfall eine lustige Überraschung, wenn es plötzlich autaucht. „Die Entstehung des Lebens und dessen ewigen Kreislauf symbolisiert die Künstlerin Magdalena Jetelová mit einem ca. 6,5 m hohen goldenen Ei von
etwa 4 m Durchmesser. Größe und Lichtreflexionen machen es so präsent, dass das Ei als Ausgangselement und Urform des Lebens in die Landschaft hinein wirkt und zu ihrem Bestandteil wird. Auf das Wesentliche reduziert wird es zum Zeichen und Sinnbild für die Leben hervorbringende und erhaltende Natur. Für die Standsicherheit der Skulptur wurde ein Fundament aus Stahlbeton errichtet, die Stabilität der Skulptur selbst wird durch ein Stahlskelett im Inneren gewährleistet. Die Oberfläche besteht aus Kunstharz bzw. Gießharz mit Glasfasereinlage und wurde im Laminierverfahren im Atelier von Magdalena Jetelová modelliert und mit Blattgold überzogen.“ (https://www.waldskulpturenweg.de/skulpturen/was-war-zuerst)

? "Ach du dickes Ei" Aquarell Rothaarsteig

Nach dem Ei bin ich auch schon bald am Ende meiner Wanderung angelangt, von hier sieht man Bad Berleburg. Von da aus nehme ich den Bus R28 und erreiche in 45 Minuten Winterberg. Fazit: Die drei Etappen waren insgesamt unterschiedlich, sehr schön und absolut empfehlenswert, wobei mir die heutige Etappe am besten gefallen hat. Aber wandert, erlebt und urteilt am besten selbst 😉